Das Gründungsjahr der Bäckerei Woitinek war 1895. Georg Attmannspacher, der Urgroßvater des heute 30-jährigen Bäckermeisters "Bernd" ließ sich in der Nürnberger Peter-Henlein-Straße nieder. Am gleichen Ort also wo noch heute der Sitz des Unternehmens ist. Eine kleine Backstube diente zum Backen von Brot, Weckla und zu Weihnachten auch Feingebäck. Die damaligen Bedürfnisse waren halt noch bescheiden. Aber was immer gefertigt wurde, es war auch damals schon vom Feinsten. Die Rezepte sind bis heute erhalten: Betriebsgeheimnis.
 
Durch Kriegsauswirkungen bedingt, fertigte man ab 1944 für einige Jahre in Puschendorf, zog dann zunächst wieder nach Nürnberg in die Flußstraße (Satzinger Mühle) und danach für ein Jahr nach Behringersdorf. In einer relativ kleinen Bäckerei konnte man sich 1955 wieder neu orientieren, konnte Pläne schmieden, die Zukunft gestalten: Die "Peter-Henlein-Straße" aufzubauen und baldmöglichst wieder zu beleben, das war erklärtes Ziel.
 
Seit den Fünfziger Jahren bedient man den Nürnberger Christkindlesmarkt. Babette Altmannspacher ist heute 87 Jahre und nochimmer aktiv am Geschäftsablauf beteiligt. Sie huscht hie und da durch die Backstube und erinnert sich noch gut an die Behringersdorfer Zeit: Die vier Töchter Margot, Ruth, Inge und Hannelore zogen morgens mit Körben und Taschen los. Mit dem Zug nach Nürnberg-Hauptbahnhof und weiter zu Fuß in die Marktbude auf dem Nürnberger Hauptmarkt zum täglichen Verkauf von Lebkuchen, Früchtebrot, Weihnachtsplätzla und Lebzelten.
 
Zeit zum Umzug in die neu errichteten Geschäftsräume in Nürnberg; seit 1956 nunmehr entgültiger Sitz der Bäckerei Woitinek.
 

 
Dort gab's dann auch 1995 ein seltenes Jubiläum: Die Bäckerei Woitinek hatte ihr 100-jähriges Bestehen zu feiern. Und seit dem ist Chef in 4. Generation, wie erwähnt Bernd Woitinek: Bäckermeister, mehrfach unter den besten bayerischen Konditorgesellen seines Jahrgangs, Konditormeister seit 1990 und "Lebzelter". In Nürnberg dürfte er der einzige sein.
 
Diesen Beruf gibt es als Lehrberuf nicht mehr, er wird weitergegeben; das Wissen darüber und der Beruf lebt von praktizierender Tradition.
 
Was er da fertigt wird im Anschluß, nach dem Backen noch bemalt. Heimarbeit für geschickte Hände mit Liebe zum Detail. Fantasie ist gefragt, Gespür für Miniaturmalerei, Farbgefühl. Alleine 5 große Weihnachtsmärkte in Bayern sowie in Berlin sind Abnehmer dieser kleinen Kunstwerke: Lebzelten-Models.
 
Und schließlich das Feingebäck. Man kommt nicht mehr davon weg. Stadtbekannt sind die Nougatringe, Sandgebäck das auf der Zunge schmilzt: Hierfür herrscht Ganzjahresbedarf. Auch die anderen Plätzchen habenAnziehungskraft, stecken an, verführen. Insbesondere (jetzt), zur zur Adventszeit und für Weihnachten.
 
Natürlich werden trditionelle Backwaren genauso sorgfältig und handwerklich perfekt gefertigt: Roggenbrot, Weißbrot, Mischbrot, Gewürzbrot, Brötchen - Franken sagt Weckla - verschiedener Art, Kuchen und Torten. Auch dafür werden teilweise uralte Rezepturen angewandt.
 
Darum wird auch hier auf beste Zutaten größter Wert gelegt. Der Meister selbst kümmert sich um den Einkauf und prüft die eingehenden Rohstoffe.
 
Bei all dem ist die Familie stets voll eingeschlossen. und uneingeschränktes Familienoberhaupt ist auch heute noch Oma, Babette Altmannspacher, liebevoll umsorgt vom Meister und seiner Ehefrau.
 
Die alte Dame sieht die Welt durchaus realistisch. Ihr gebührt das Schlußwort: "Mein Rat ist zwar nicht mehr so gefragt, doch gebraucht werd' ich halt immernoch, und das macht mich dankbar für jeden Tag."
 
Eberhard Schubert (um 1999)

Elisen-Lebkuchen, Haselnuss-Lebkuchen, Oblaten-Lebkuchen, Lebzelten